Um alle Inhalte sehen zu können, benötigen Sie den aktuellen Adobe Flash Player.

Home Blog Lieder Shop Über Kontakt Impressum Blog beta Blog 1 Blog 2 Blog 3 Blog 4 Blog 5 Blog 6 Blog 7 Blog 8 Blog 9 Blog 10 Blog 11 Blog 12 Blog 13 Blog 14 Blog 15 Blog 16 Blog 17 Blog 18 Blog 19 Blog 20 Blog 21 Blog 22 Blog 23 Blog 24 Blog 25 Blog 26 Blog 27 Blog 28 Blog 29 

Blog 9

MenschenfreundFür Momo,der die Deines Gleichen Flagge wehen ließ.Er war Einer von uns.Ein Kämpfer in dieser einstigen verlorenen Welt, in der er es einmal besser haben sollte.Er war Angestellter in der Firma meines Vaters und er war mein Freund.Auch, wenn er sicher einen anderen bürgerlichen Namen hatte, so kannte ich ihn nur unter „Momo Khan“.Um mir ein paar Mark dazuzuverdienen, arbeitete ich in den Ferien oft bei meinem Vater.Die Arbeit an den Maschinen war kinderleicht, aber auf Dauer ziemlich öde. So blieben einem nur noch die Kollegen, mit denen man um das nächste Sportergebnis wettet, sich den besten Witz erzählt oder den Hit aus dem Radio mitpfeift.In meinem Maschinenraum arbeitete ich zusammen mit einem Kerl, der wie sich rausstellte, ziemlich schnell das nächste Lied im Radio ansagen kann. So machten wir uns einen Spaß daraus im Sommer 2001 den nächsten Song zu erraten um anschließend lautmitsingend eine alberne Performance abzuliefern. Egal wie ich es auch anstellte, der Kollege war immer besser als ich und so sangen wir zu den Hits wie „Miss California“, und „Cryin´at the Discotheque“. Die Krönung war aber immer zu sehen wie er „Lady Marmelade“ sang und anstelle eines Mikros in einen Besen trällerte.Schnell wurden wir Freunde und so weihte ich ihn in den Proberaum ein, der nur ein paar Schritte von unserem Maschinenraum entfernt war. Er erzählte nie viel von sich. Neben seinem Namen erfuhr ich, in welchem Teil der Stadt er lebte. Momo lebte in Heiligenhaus, Oberilp. Durch andere Freunde wusste ich bereits, dass dieser Stadtteil ein Schandfleck war, in der mehrheitlich die unterste soziale Schicht lebte.Die Unterhaltungen im Proberaum bedeuteten uns viel. Hätten wir uns nicht die Seele aus dem Leib gesungen, wären unsere Stimmbänder sicher nicht so angekratzt gewesen. Dann hätte ich mehr erfahren über den Arbeitskollegen, der meine Pause so viel lustiger gestaltete.Nach einer langen Arbeitswoche, lud ich ihn schließlich ein um die Häuser zu ziehen. In seinem breiten Grinsen war Freude zu erkennen und doch auch etwas Wehmut. Nach Feierabend zeigte er mit Stolz die Gegend, in der er mit seiner Clique abhing.In einem der riesigen Plattenbaus betrat ich anschließend die Wohnung seiner Familie. Plötzlich bedarf es keine Fragen mehr, keine weiteren intimen Details über das Privatleben eines Arbeitskollegen um zu erfahren wie Jemand lebt. Bei Eintritt kamen Momo sofort seine Geschwister entgegen. Sie waren alle viel jünger als wir und reichten ihm allenfalls bis zur Hüfte.Eine Mutter gab es in diesem Haushalt nicht.Momo ersetzte sie wie es ein Mann nur tun konnte; er kochte und war offen für Fragen aller Art. Die Kinder, nett und wild, waren sichtlich froh, dass jetzt Jemand zu Hause war um für sie zu sorgen. Als Momos Vater nach Hause kam, konnte ich sofort erkennen, wer die gute Seele des Hauses war. Vater Khan war es nicht.Obwohl Momo älter als ich und schon erwachsen war, musste er seinen Vater fragen, ob er an diesem Abend ausgehen könnte. Damals lernte ich eine Menge um über den Tellerrand hinauszuschauen auf andere Familienverhältnisse. Für diesen Abend jedoch sollte es das gewesen sein. Momo durfte nicht mit mir mit.Als die Ferien vorbei waren, endeten auch die Proberaum Sessions mit Momo.Über seinen Arbeitgeber, meinen Vater, erfuhr ich irgendwann folgendes:Als Momo eines Tages Feierabend machte und nach Hause ging, erwischte er seinen Vater mit dem Mädchen, das eigentlich ihm anvertraut war. Dieses Gerücht machte schnell die Runde. Also hörte ich die Geschichte mehrmals immer etwas anderes. Fakt war jedoch, dass der eigene Vater mit der Verlobten seines Sohnes schlief.Ich versuchte mit Momo zu sprechen, aber er war immer unregelmäßiger bei der Arbeit.Ich hörte nicht mehr viel von ihm. Aus Tage wurden Wochen, aus Wochen Monate.In einer Silvesternacht sollten sich die Gerüchte aber erneut überschlagen.In einem Neujahrstelefonat mit meinem DJ Trebor erfuhr ich die wahre Geschichte der Geschehnisse.Im Glauben noch gut ins neue Jahr feiern zu können, klopfte Momo an die Türen der Nachbarschaft. Nicht viele Türen öffneten sich und die, die sich auftaten, hatten keinen Einlass für Jemanden, der sich so spät erst meldete.Seine „Freunde“, die er einst glaubte, zu haben, waren ausgeflogen.In diesem Stadtteil gab es nur eine Brücke, nämlich die, die Oberilp mit der Unterilp verband.Momo stellte sich auf die Brücke, während unten einige das neue Jahr feierten. Er drohte damit sich umzubringen, indem er springen würde.Die betrunkene Meute unten lachten ihn lediglich aus und nahmen ihn nicht ernst. „Spring´doch“ schallte es auf den Straßen.Es musste schrecklich gewesen sein, aber sie sollten alle eines besseren belehrt werden.Er sprang.Dieser Knall war weitaus mehr sagend als alle anderen, die in dieser Nacht in der Luft lagen. Dieser Knall sollte uns mahnen ein waches Auge auf unsere Mitmenschen zu haben, mehr Liebe bereitzuhalten, für diejenigen, die sie benötigen, und achtsam zu sein.In diesem Augenblick war der Sprung die einzige Möglichkeit eines Mannes gehört zu werden. Sein Schädel fiel hart auf den Asphalt. Er war tot. Nichts konnte ihn wieder zurückholen. Sein Atem setzte sofort aus.Immer dann, wenn die Raketen zu Neujahr den Himmel erleuchten, erhebe ich mein Glas und gedenke an einen Kerl, der mehr war als ein Arbeitskollege. Bedauerlicherweise nahmen Momo und ich nie etwas auf, dass seine musikalischen Fähigkeiten für die Nachwelt beweist. Dieser Mann hatte Talent.Aber wenn es etwas gibt, dass Tote wieder aufleben lässt, dann ist es die Erinnerung an sie, die etwas Wundervolles vollbracht haben.Peace,Norman Mewes

Blog Serie

Blog Archiv________________________Neu 15.07.2011________________________Die Geschichte von "Vierzehn" 17.07.2011________________________Die Vergessenen 20.07.2011________________________Löwenherz Teil I 23.07.2011________________________Löwenherz Teil II 27.07.2011________________________Don´t stop the Music 02.08.2011________________________Liebeslieder 06.08.2011 ________________________Straßenpropheten 10.08.2011 ________________________Menschenfreund 15.08.2011 ________________________Schmuggel 21.08.2011 ________________________Doppelleben 24.08.2011________________________Freiheit 29.08.2011 ________________________Oben (Des Norden Zauber) 19.09.2011 ________________________Ikarus Effekt 06.10.2011 ________________________Bühnenspiel 22.10.2011 ________________________Opium 15.11.2011 ________________________Wir Krisenkinder 11.12.2011 ________________________Die Engelmeyer Geschichte 27.04.2012 ________________________Die Geister vom Pollen 06.07.2012 ________________________Die Beinah-Entführung 03.10.2012 ________________________Die Firma 27.10.2012 ________________________Monokult 10.12.2012 ________________________Das Haus am Stadtrand 23.12.2012________________________MCC 08.01.2013 ________________________Leben 2.0 31.10.2013 ________________________Eine Frage der Loyalität 15.11.2013________________________Wahre Freunde 11.02.2014 ________________________Heart-Code 26.02.2014________________________Harte Hunde 10.03.2014________________________Privat 02.04.2014



DeinesGleichen