Um alle Inhalte sehen zu können, benötigen Sie den aktuellen Adobe Flash Player.

Home Blog Lieder Shop Über Kontakt Impressum Blog beta Blog 1 Blog 2 Blog 3 Blog 4 Blog 5 Blog 6 Blog 7 Blog 8 Blog 9 Blog 10 Blog 11 Blog 12 Blog 13 Blog 14 Blog 15 Blog 16 Blog 17 Blog 18 Blog 19 Blog 20 Blog 21 Blog 22 Blog 23 Blog 24 Blog 25 Blog 26 Blog 27 Blog 28 Blog 29 

Blog 27

Blog Serie

Wahre FreundeJohann Wolfgang von Goethe schrieb einmal:„Ältere Bekanntschaften und Freundschaften haben vor neueren hauptsächlich das voraus, dass man sich einander schon viel verziehen hat.“Ich bin nicht fehlerfrei. Ich hatte richtig Mist gebaut.Ein guter Freund meines Lebens heißt Simon Voss. Wir kamen aus dem gleichen Teil der Stadt. Unsere Familienbande waren enger verknüpft als wir wussten. Sein Großvater war der Verpächter des Firmengrundstücks, auf dem mein Vater seine Firma stehen hatte, und ich später darunter meinen Proberaum. Eines Nachmittages besuchte ich Simon zu Hause, doch traf ich unendliches Leid an. Aus dem Haus ging ein Trauerzug heraus, am Ende mit Simon. Sein Vater war verstorben. Als … begab sich Simon nun in die Obhut seiner Mutter. Nach dem schmerzlichen Verlust seines Vaters verbrachten wir nun noch mehr Zeit miteinander. Lebensfrohsinn war eine Eigenschaft, die schon immer in ihm steckte. Wir teilten die Leidenschaft zum Tischtennis. Daneben auch die Lust am Streichespielen. So gingen wir aus Spaß in die Innenstadt um Petitionen unterschreiben zu lassen, die es nie gegeben hatte. Uns gefiel die Macht der Psychologie und Beeinflussung. Wir bekamen so viele Unterschriften wie wir wollten. Aus uns beiden hätten prima Verhörleiter werden können oder Psychologen. Wir stammen aus der 1. Generation, die mit Computer-und Videospielen aufgewachsen war und waren begeistert von der Technik. Überhaupt fuhren wir immer mal wieder mit unseren Fahrrädern weite Strecken ab, die anstrengendste verlief über die Autobahn. Es war unser Ausdruck von Rebellion in einer Welt, die wir für uns beanspruchten.Das Wissen über den Luftraum hatte Simon echt drauf: Wenn eine Boeing über unseren Köpfen flog, konnte er mit bloßem Auge erkennen, um welches Modell es sich dabei handelte.Doch welches lebensverändernde Ereignis vor uns lag, konnte keiner von uns sehen.Den Traum vom eigenen Flugzeug wir uns wahrmachen. Naja, zumindest hobbymäßig, eines dieser originalgetreuen Flugmodelle zum Selberfliegen. Wir sparten gemeinsam eine ganze Menge Geld zusammen. Fast hatten wir alles zusammen als ich bemerkte, dass all mein Erspartes verschwunden war. Anwesend waren mein Bruder und seine Freunde. Ich war außer mir. Einer der Typen im Raum fragte mich suggestiv, wer es denn gestohlen haben könnte. Meine Gedanken spielten mir Streiche wie ich früher welche gespielt hatte. „Überleg mal, Norman, wer ist denn fast jeden Tag hier?“ sagte die Stimme. Ich schüttelte den Kopf. Meine Gedanken fuhren nun Karussell und mir wurde schwindelig. Wie das Schicksal es wollte, klingelte es an der Tür. Simon war auf Überraschungsbesuch gekommen. Es ging alles ganz schnell wie im Zeitraffer. Ich konfrontierte Simon mit dem Verschwinden meines Geldes und bezichtete ihn des Diebstahls. Simon verstand die Welt nicht mehr. Auf Knien flehte er mich an ich solle ihm glauben. Doch ich konnte es nicht. Auch, wenn mein mühselig Erspartes definitiv verschwunden war, wollte mein Herz und jede einzelne Zelle meines Körpers ihm glauben. Doch ich konnte es nicht. Am selben Tag rief er mich noch an und fragte mich direkt, ob das wirklich das Ende der Freundschaft sein solle. Ich blieb eiskalt. Auch den letzten Versuch am nächsten Tag als mein ehemaliger bester Freund den direkten Kontakt zu mir suchte, blieb ich nicht gesprächsbereit. Doch nach ein paar Wochen dämmerte mir der größte Fehler meines Lebens und all die Wut fiel auf mich zurück. Über Ecken erfuhr ich die Wahrheit über das verschwundene Geld. Die verstohlenen Freunde meines Bruders hatten es gefunden und geklaut. Sie haben die Freundschaft auf dem Gewissen. Genauso wie ich…Es regnete an diesem Abend der Erkenntnis. Ich lief hinaus, wo mir der Windregen ins Gesicht peitschte und meine Klamotten durchnässte. Das störte mich nicht im Geringsten. Ich stellte es mir als eine Art „Säuberung“ vor. Möge mir der Regen all die Geldgeilheit, all das Unverständnis, von mir auf die Straße spülen. Die lange Friedrichstraße herunter… Regen trommelte auf den Autodächern. Möge all das Böse dieser stinkenden, faulenden Stadt weggespült werden, ging mir durch den Kopf.Doch Simon war mittlerweile mittendrin im Sumpf dieser elendigen Stadt. Er fand Trost bei seinen neuen Freunden Johnnie Walker und Jack Daniels. Er hing mit fragwürdigen Gestalten ab. Seine Zukunft war von meinem Fehler maßgebend geprägt worden. Er machte kein Abitur, kein Studium. Doch seine Intelligenz und sein Tatendrang waren zweifelsohne. Weder er, noch ich, hatten jemals eine solche Freundschaft wieder erfahren. Sein Leben und mein Leben wären anders verlaufen, wenn dieses Ereignis nicht geschehen wäre. Ich wünschte mir ich könnte die Zeit zurückdrehen.Doch meine Gelegenheit kam.Bis zu meinem 25. Geburtstag plagten mich Schuldgefühle. Auch, wenn es immer wieder mal ein Treffen zwischen Simon und mir gab, so waren die wichtigen Worte doch nie ausgesprochen worden. Meistens trafen wir uns zufällig. Dann war es immer so als wären zwei verlorene Brüder wieder vereint. Wir lachten herzlich als sei nie was gewesen. Ich hatte ihn nie vergessen. Gäbe es nur eine Chance für eine Wiedergutmachung, ich würd´ sie ergreifen. Doch die gab es bislang nicht, und konnte es auch nie geben. Und doch sah ich eine Möglichkeit am 25. Geburtstag, zumindest auf eine Aussprache. Ich lud ihn, seine Freundin, meinen Bruder und meine Freundin in ein chinesisches Restaurant ein. Auf der angesagten Rüttenscheider Straße, kurz: Rü, gingen wir anschließend in eine coole Gastronomie was Trinken. Es war an der Zeit reinen Tisch zu machen. Ich bat ihn mir mal eben nach draußen zu folgen. Wo die Barmusik nur noch dumpf und leise zu hören war, fing ich an meine Geschichte zu erzählen, meine Sicht über die Dinge. „Ein paar Fehler habe ich in meinem Leben gemacht, doch den größten tat ich DIR an!“ Das Gespräch hatte ich tausend Mal vor meinem geistigen Auge ablaufen lassen, doch nie verlief es so wie in Wirklichkeit. Simon stand einfach nur da. Mit weiten Augen beobachtete er mich wie ich ihm alles aus der Seele erzählte. Er unterbrach mich nicht. Anders hatte ich es mir ausgemalt. Vor diesem Augenblick stellte ich mir oft vor, wie er das Ende unserer Freundschaft und vor allem die Folgen daraus kleinredete, doch das tat er nicht. Als ich mit all dem fertig war, was ich ihm sagen wollte, sah er mich an, und hob sein Glas in meine Richtung. Ich hob meines. Unsere Biergläser klirrten aneinander. Er nahm meine Entschuldigung an.Am Ende siegte die Freundschaft. Heute hat Simon einen wundersamen Sohn, der ganz nach seinem Vater kommt. Er ist voller Lebensmut.Dank diesen beiden Menschen bin ich es auch.Wenn man älter wird, werden die Lektionen härter, weil mehr auf dem Spiel steht.Das Spiel ist nie vorbei.Peace,Norman Mewes

Blog Archiv________________________Neu 15.07.2011________________________Die Geschichte von "Vierzehn" 17.07.2011________________________Die Vergessenen 20.07.2011________________________Löwenherz Teil I 23.07.2011________________________Löwenherz Teil II 27.07.2011________________________Don´t stop the Music 02.08.2011________________________Liebeslieder 06.08.2011 ________________________Straßenpropheten 10.08.2011 ________________________Menschenfreund 15.08.2011 ________________________Schmuggel 21.08.2011 ________________________Doppelleben 24.08.2011________________________Freiheit 29.08.2011 ________________________Oben (Des Norden Zauber) 19.09.2011 ________________________Ikarus Effekt 06.10.2011 ________________________Bühnenspiel 22.10.2011 ________________________Opium 15.11.2011 ________________________Wir Krisenkinder 11.12.2011 ________________________Die Engelmeyer Geschichte 27.04.2012 ________________________Die Geister vom Pollen 06.07.2012 ________________________Die Beinah-Entführung 03.10.2012 ________________________Die Firma 27.10.2012 ________________________Monokult 10.12.2012 ________________________Das Haus am Stadtrand 23.12.2012________________________MCC 08.01.2013 ________________________Leben 2.0 31.10.2013 ________________________Eine Frage der Loyalität 15.11.2013________________________Wahre Freunde 11.02.2014 ________________________Heart-Code 26.02.2014________________________Harte Hunde 10.03.2014________________________Privat 02.04.2014



DeinesGleichen