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Blog 19

Die Geister vom PollenImmer, wenn ich an Natur denke, denke ich an 2 Dinge: Frische Luft und Ärger.Das erste, das ich nach jener Nacht intensiv wahrnahm, war die raue Brise über den Feldern und der Ärger. Er kam mit der Zeit...Sommer lag in der Luft und Baggies waren Kult. Es war der Anfang der Proberaum-Crew.Dieser schwülend heiße Tag trieb uns geradewegs in ein 100 Hektar großes Naturschutzgebiet mit Aussicht auf große Felder, umgeben von Wald. In der Nähe sollte auch irgendwo ein Modellflugplatz sein. Lamin, Björn, Katja und ich suchten nach einem geeigneten Platz, wo wir unsere Zelte aufschlagen konnten. Das wollte gut überlegt sein, denn die nächste Straße war 1 Stunde Fußmarsch entfernt. Das Gebiet wird "Pollen" genannt und liegt zwischen Essen-Kupferdreh und Langenberg. Wir stellten unsere Zelte mitten auf einer großen Wiese auf. Björn hatte nicht mehr so viel Gras gesehen seit dem Summer Jam Festival. Der Regen fiel schon seit Wochen aus, sodass es sehr trocken war, aber Lamin sorgte mit ein paar Flaschen Wodka für die nötige Erfrischung.Um uns herum war nur das Zirpen der Grillen und ab und zu der Gesang meiner Freunde zu hören. Als sie das immergleiche Lied anstimmten, war ich dabei."Say I remember when we used to sitin a government yard in Trenchtown"Als es dunkler wurde leuchteten die Glühwürmchen auf und verwandelten den Waldesrand zu einem Lichterreigen. Wir unterhielten uns bis tief in die Nacht mit Bier und Geistergeschichten. Es rankten sich Gerüchte um jenes Gebiet, das um uns lag, dass es längst an einen Privatmann verkauf worden sei. Andere wiederum glaubten, dass an diesem Ort ein ehemaliges Truppenübungsgelände der Bundeswehr stand, das vor ein paar Jahren aufgegeben wurde. Nun sollten die Geister der gequälten Soldatenseelen noch immer auf den Feldern spuken -Geschichten, die sich gerne die Jugendlichen hier erzählten. Meinen Nachforschungen zufolge wurde der Übungsplatz tatsächlich fast über Nacht geschlossen. Es war bereits Mitternacht geworden. Wir fühlten uns allein und sicher. Katja legte sich schlafen.Aus der Entfernung konnten wir seltsame Schüsse wahrnehmen. Mit der Zeit kamen die Echos der Schüsse bedrohlich nahe. Ich sagte meinen Kumpels Bescheid und sah mir die Umgebung näher an. Der Wald war mir als Stadtjunge ein unbekanntes Terrain. Mein Bruder und ich pflegten Verstecken zu spielen in der Nachbarschaft hoher Häuserschluchten. Dieses Spiel konnte mir hier nicht helfen. Vielleicht war dies der Grund dafür, dass meine Suche erfolglos blieb.An meinen Freunden war der Alkohol nicht tatenlos geblieben, also orientierte ich mich im Dickicht der Bäume einfach an deren Gesang um den Zeltplatz wieder zu finden."Norman, wo warst Du gewesen? Wir haben die Schützen mit unserem Gesang weggescheucht?" - "Ja, so schief habt ihr gesungen." sagte ich grinsend und verschwand im Zelt. Schon eine Weile waren die Geräusche verschwunden.Ich war fast eingeschlafen als plötzlich Stille eintrat.Die Kugel eines Gewehrs flog direkt neben meinem Zelt ins Gras. Ein paar Zentimeter weiter und ich wäre getroffen. Lamin rief nach mir: "Komm´schnell raus." Es dauerte nicht lang bis wir zu dritt Rücken an Rücken um uns herum in die Dunkelheit starrten - Jeder in eine Richtung, Jeder mit seiner eigenen Angst.In einer Entfernung von ca. 20 Metern entdeckte ich einen kleinen Hügel, von dem ich ausging, dass aufgrund des Winkels nur von dort aus ein Schuss abgegeben worden sein könnte.Ich schlug vor, dass Lamin die rechte und Björn die linke Flanke untersuchen sollten, während ich am Zelt bei Katja blieb. Sie traf der Schock am meisten und bat mich bei ihr zu bleiben. Die Beiden schlichen los. Der Vollmond war aufgegangen und stand tief. Er schob sich genau oberhalb des Hügels. Lamin war es dann, der schrie: "Hey, aufstehen!". Ein Mann stand auf mit einem Gewehr in seinen Händen und richtete es auf meinen Freund. Ich konnte es eindeutig als Silhouette vor dem Mond erkennen. Aufgrund der Distanz war ich mir nicht sicher, aber der Mann schien ein Soldat zu sein. Lamin und Björn rissen ihre Arme hoch. Der Uniformierte befahl: "Identifizieren sie sich!". Lamin antwortete: "Wir sind unbewaffnet und sind nur ein paar Camper." Für die meisten Jugendlichen unseres Alters war das ein Märchen gewesen, doch das robuste, im Mondlicht scheinende Gewehr war definitiv kein Märchen. Ich verstand nicht mehr viel bis auf ein paar Wortsalven, konnte aber sehen wie sich die Anspannung dort ein wenig löste als der Soldat sein Gewehr herunternahm und es sogar in die Hände von Björn lag, der damit in die Ferne zielte. "Sind die lebensmüde?", meinte Katja, die selbst gerade aus ihrem sicheren Versteck kroch. Ich schätzte den Bedrohungsfaktor ein: hoch. Eine Überwältigung barg zu viele unberechenbare Faktoren. Dafür waren die viel zu ausgeschlafen. Dann rief Björn mir zu: "Die sind korrekt, komm´mal hoch."Als ich meinen ersten Schritt in Richtung Hügel setzte, sprang eine Maschine von Mensch aus dem Gebüsch mit einem Feldmesser in der Hand und Tarnfarben im Gesicht.Ich seufzte und war sicher, mein Ende sei gekommen. Diesem Muskelpaket in Camouflage stand ich nach einer Drehung nun gegenüber, Auge in Auge, bereit mich zur Wehr zu setzen. In dem Moment legte Jemand eine Hand auf meine Schulter und sagte: "Schon okay." Der Kerl mit der Feuerwaffe ging mit meinen Freunden dahinter an mir vorbei. Wir warfen uns Blicke zu. Sie und ich waren immer noch misstrauisch, hatten aber keine Wahl. Wir teilten unseren Alkohol mit ihnen und hörten zu, was diese Vögel zu sagen hatten. Wir erfuhren, dass sie gar keine Soldaten waren. Sie trugen Verkleidungen und machten sich einen Spaß daraus Gruppen von Jugendlichen auszunehmen, sie zu fesseln, den Alkohol zu stehlen und letztendlich einen Schrecken einzujagen. Sie bezeichneten sich als "Sturmtrupp 88" mit Anlehnung auf ihre rechtsradikale Gesinnung. Dies waren wahrlich keine unbescholtenen Bürger. Nachdem wir ihnen auch noch unsere letzte Flasche gegeben hatten, zogen sie fort. Keiner von uns hat in dieser Nacht ein Auge zu gemacht. Keiner wird die Nacht je vergessen.Das Geschehene war genauso ein Teil von mir geworden wie die Schrauben in meinem Fuß- ein Sportunfall, den ich mir in der 10. Klasse zuzog.Diese Geschichte jedenfalls hätte übel enden können. Ein Windhauch und die Kugel hätte ihr Ziel verfehlt.Dann spürte ich wieder was es heißt zu leben. Mir lief es eiskalt den Rücken runter als ich realisierte, dass der Schütze ebenso eiskalt war.Ich war 16 Jahre alt und hatte keinen blassen Schimmer, dass in weniger als 24 Stunden ein neuer Hitzerekord aufgestellt werden würde.Peace,Norman Mewes

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