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Blog 18

Die Engelmeyer GeschichteIhr Name war Engelmeyer.Sie war wunderschön.Und ihr Name so schön passend.Doch was ist schon ein Name?Ist etwas denn nicht auch schön, selbst wenn wir der Sache einen anderen Namen geben?Meiner jedenfalls war gelogen...Sepp Fäller, das war mein Name.Alle Anwesenden im Raum sprachen mich so an.Das menschliche Herz schlägt 65 mal die Minute. In diesem Moment aber dürfte er wohl weitaus höher gelegen haben. Ich schauspielerte um Jemandes Herzens zu gewinnen.Ich sang ihrer Aufmerksamkeit willen. Ich hatte das Gefühl dieses Mädchen lag im Dornröschenschlaf und flehte nur darum wachgeküsst zu werden.Applaus. Dann Stille. Mein Handy klingelte. Sie war dran um mir zu sagen, ob es ihr gefiel. Ich ging nicht ran, schließlich lief die Show ja noch.Ich war gekommen um eine Radiosendung in der Goetheschule in Essen aufzuzeichnen.Das war genau so vorgetäuscht wie mein Name.In der Nacht zuvor konnte ich nicht schlafen, denn sie, Engelmeyer, raubte mir die Nacht und ehe mir nichts einfiel wie ich ihr wieder begegnen könnte wurde aus diesem Vorhaben erstmal nichts. Bei all den Gedanken um Ihre Augen, Ihre Art, Ihr Geruch erinnerte ich mich, dass sie mich einmal singen hörte und es toll fand.Also wollte ich wieder singen. Aber Stil sollte es haben.Ich freundete mich mit dem Gedanken an aus einer Riesenanlage raus zu singen. Ein Gedanke später wurde daraus die Durchsagelautsprecher einer Schule, ihrer Schule.Sie ging auf ein Gymnasium der Stadt Essen, auf die elitäre Eltern, die was von sich hielten, ihre begabten Kinder mit großzügigen Spenden an den Förderverein schickten. Die Frage wie ein Fremder wie ich dort die Durchsage machen könnte stellte sich mir nicht lang. Eine Drehung raus, meine morgendliche Musik Playlist zusammengestellt und voilá: Der Radiomoderator war geboren. Radiosender durften an meiner Schule immer ans Mikrofon.Am Morgen nahm ich ein wahres Frühstück für Champions zu mir. Dann rief ich ein paar Freunde an und erklärte meine Vorstellung des modernen Rosenkavalliers.Ein paar waren gekommen. Bis zu ihrer Ankunft fertigte ich ein Schreiben an mit einem Logo in der Ecke des Radiosenders "Einslive". Dieses Dokument beschrieb eine Zusammenarbeit mit Schulen unter dem Titel "Wir fördern Schultalente". Anschließend druckte ich Ausweise aus, die ich im Endeffekt nur noch laminierte und mit einem Schlüsselband fixierte um sie uns um den Hals zu legen. Ein Puschelmikrofon ließ sich noch aus dem Studio ausgraben.Maike sollte die Monster Kopfhörer bekommen.Der erste Streich folgte als ich in der besagten Schule anrief. Ich gab mich als der kleine Bruder jener Schönen aus, um deren Aufmerksamkeit ich anhielt. Ich sagte, ich wolle sie von der Schule abholen und bräuchte nun die Auskunft über ihren Stundenplan. Ich wollte vermeiden dort aufzutauchen, wenn sie gar nicht anwesend war.Sie war. Kurz nach diesem Telefonat rief ich mit verstellter Stimme als Koordinationsleiter des Radiosenders an um die Schulleitung über den Besuch des Teams zu informieren. Ich stellte es als ganz selbstverständlich dar kurzfristig ein Radioteam vorbeizuschicken.Die Schulleiterin, Frau Bittner, willigte ein, doch nicht ohne mich vorher nach dem Namen des Radiomoderators zu fragen. Ich antwortete: "Sepp Fäller". Sie beteuerte ihn nicht zu kennen, wohin ich ihr entgegnete, dass er neu sei. Perfekt.Das Radioteam mit mir als Moderator, Sepp Fäller, machte sich auf.Auf dem Schulhof angekommen kam eine minderjährige, rauchende Schülerin auf uns zu.Wir sahen gefährlich aus - mit Rekorder, Mikrofon und Gleichschritt. Diese Schülerin hatte auch nur keine Zweifel, dass wir vom Radio sind. Sie dückte ihre Zigarette auf der Stelle aus und sagte: "Ich zeige euch das Büro der Schulleitung." Dort war es auch nicht anders. Ein fester Händedruck bei allen Beteiligten schaffte Sicherheit. Außerdem erfuhr ich, dass viele Klassen schulfrei bekamen, weil der Musik-Unterricht, die AGs und Kurse ausgefallen waren wegen uns. Die Lehrer der jeweiligen Bereiche hatten ein Treffen mit uns vorgezogen. Die Schulleiterin führte uns in einen großen Raum in dessen Mitte ein nicht minder großer Konferenztisch stand. Dort saßen die Schulbands, Musiklehrer, Repräsentanten des Schulorchesters, Sekretärinnen, und der neugierige Nachwuchs an Talentshowsängern. Frau Bittner fragte mich gleich zu Beginn nach einer Schuldurchsage. Ich sagte "Sofort nach der Pause." Sie geleitete mich nun in den Nebenraum und erklärte mir das Durchsagegerät. Wie angewurzelt stand sie neben mir in Erwartung an meine Ansprache. Ich tat, was sie wollte. Nur wollte die Schulklingel nicht so wie ich wollte. Es bimmelte ein paar mal. Meine Kollegin von Aufnahmeleiterin, Maike, retuschierte diesen peinlichen Augenblick mit "Sepp, das machst du jetzt nicht zum ersten Mal." Als ich noch Schulsprecher war, hatte ich tatsächlich schon einige Durchsagen gesprochen. Noch einmal drückte ich und war on air.Ich babbelte irgendwas von "Sektor" und was ich sonst noch an Vokabular aus dem Radio so aufgeschnappt hatte und kündigte eine Schultour mit Schultalenten an. Am Ende der Durchsage leitete ich den entscheidenden Gesang ein: "Nun, Jeder, der mich aus dem Radio kennt, weiß, dass ich immer ein Bonbon dalasse. Das ist für Dich." Ich begann acapella zu singen. Vor Tausenden habe ich schon gesungen, doch nie mit solch einer Hingabe.Später erzählte mir Maike, die in dem Konferenzraum mit den Anderen saß, dass sich alle verwundert angeschaut hätten doch sie rettete diesen Moment wieder einmal mit "Das macht der immer". Ich stand auf und ging in den Nachbarraum zu den Anderen. Einige standen auf. Applaus. Dann Stille. Mein Handy klingelte. Sie war dran um mir zu sagen, ob es ihr gefiel. Ich ging nicht ran, schließlich lief die Show ja noch.Ich war am Ziel. Ich hatte ihre Aufmerksamkeit. Theoretisch hätte ich nun auch gehen können. Doch aus Anstand tat ich nun den Job. Ich interviewte die Bands, erfuhr nebenbei, dass diese Schule tatsächlich eine ganz musikalische war. Die hatten ein Schulorchester mit 200 Schülern. Zweihundert und drei Bands. Sie förderten eigentlich schon, dachte ich mit einem Lächeln. Einen Moment lang fasste sich meine Toppartnerin des Morgens, Maike, an ihren Kopfhörern. Im Anschluss kam von ihr: "Sepp, die haben das im Tonwagen nicht richtig drauf. Kannst Du das noch mal fragen." Sie war sensationell.Ich werde den Moment nie vergessen als wir aufstanden, die Schulleiterin mir die Hand reichte und mir versicherte meine Stimme doch aus dem Radio zu kennen, jetzt als sie sie gehört hatte.Die Engelmeyer hatte sie sofort erkannt. Wir telefonierten. Sie fühle sich geehrt. Ihr gefiel es offenkundig sehr das Lied für sie zu hören. Ich sagte ihr ich hätte am liebsten alle anderen Schüler in die Ferien geschickt. Für ein Date hielt sich mich allerdings hin.Bei weiteren Telefonaten blieb es. Einmal legte sie sogar abrupt auf.Aus tausend Ecken erfuhr ich, dass sie die ganze Zeit einen Freund hatte, den sie selbstverständlich mit keinem Wort erwähnt hatte.Ein paar Monate später stellte sich mein Schulbetrieb wieder normal ein. Plötzlich wurde ich ins Büro meines Oberstufenleiters gerufen. Herr Kleinsimlinghaus und ich verstanden uns nicht besonders. Neugierig fragte er mich, ob ich in letzter Zeit irgendwelche Dinger an anderen Schulen gedreht hätte. Ernst verneinte ich alle Fragen. Dann konfrontierte er mich mit Telefonanrufen in unserem Sekretariat. Dort riefen viele Schüler aus Essen an und wollten einen gewissen Sepp Fäller sprechen. Andere riefen an um ihren Resprekt auszudrücken.Probleme machten mir erst die Androhungen auf einen Anruf bei der Polizei wegen Urkundenfälschung, Betrug, und lauter solcher Sachen. Dann erzählte ich ihm diese Geschichte. Er musste sich ein Grinsen offensichtlich verkneifen. Als Gegenleistung erklärte er mir nun wie der Schwindel aufgedeckt wurde: Ein Lehrer der Goetheschule öffnete eines Tages die Zeitung und sah ein Bild von mir darin über einem Artikel für Vorlesungen, die ich hielt. Darunter war natürlich mein wahrer Name. Sofort recherchierte er und fand mich. Dann schlussfolgerte mein Gegenüber: "Wir haben mit der anderen Schulleitung bereits gesprochen und haben eine Lösung. Die lieben Dich dort, irgendwas haben die anscheinend an Dir gefressen, Norman. Aus diesem Grund bist du herzlich eingeladen mit deiner Band auf deren Halloween Party zu spielen." Mir war eine Last von den Schultern gefallen. Ich meine: Dies war nicht wie damals als ich meinem Musiklehrer sagte, ich müsse zum Klo, wobei ich mich eigentlich zum Knutschen mit meiner damaligen Freundin getroffen hatte.Dieser Deal galt.Die Band hatte an diesem Termin keine Zeit, aber ich war solo da. Ich musste sogar Autogramme für Kinder schreiben. Einen sündhaft teuren Blumenstrauß überreichte ich der Schulleiterin und entschuldigte mich. Sie fragte nach meinem Hintergrund für meine Tat, den ich ihr nicht verschwieg. Mit diesem Abend konnte ich mich nochmal vor dem Ruf als Schwindler retten.Was die Liebe anging, so war alles unbefriedigend, auch wenn Sie für mich danach kein Thema mehr war.Sie glaubt mir wahrscheinlich bis zum heutigen Tage nicht, dass ich nie für den Radiosender "Einslive" gearbeitet habe. Dabei war auch das nur ein Name.Peace,Norman Mewes

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