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Blog 17

Wir KrisenkinderEs gab einmal eine Zeit, in der sind die Menschen ganz normal aufgestanden und zur Arbeit gegangen. Sie schufteten um es einmal besser zu haben. Doch seit der großen Bankenkrise 2010 bekamen sie auf einmal Angst und verdächtigten Jeden, der nicht bei drei auf den Bäumen war. Man suchte einen Schuldigen. Vielleicht sind wir darum betrogen worden in einer Welt ohne Atompolitik, Ausbildungsplatzmangel oder fehlende Kindergärten aufzuwachsen, aber manchmal zählen eben wieder die Gesetze des Dschungels.Als Unternehmersohn spürte ich diese Veränderungen aus erster Hand.Eine Frage, die ich oft bei Bewerbungsgesprächen beantworten musste, war, ob ich denn nicht irgendwann die Firma meines Vaters übernehmen wolle. Immer wieder antwortete ich das Gleiche: "Mein Vater hatte zu seinen Söhnen immer gesagt, sie sollten nie so hart im Dreck schuften wie er. Wir sollten es einmal besser haben". Doch bei keinem von uns sollte er Recht behalten haben.Denn bei der einen Hälfte seiner Söhne, nämlich bei mir, war bereits die Suche nach einer Ausbildungsstelle eine Herausforderung.Ich wollte in die Medienbranche einsteigen.In den meisten Fällen finanzierte sie sich mit billigen Arbeitskräften wie Praktikanten. Angebote dafür hatte ich mehr als genug. Schließlich nahm ich auch einige an, ging aber aus eigenem Wunsch wieder da raus.Dann bekam ich meine Chance.Ein mittelständischer Betrieb im Herzen von Essen-Rüttenscheid legte mir irgendwann einen Vertrag vor. Er war eine Schande für die ganze Welt der Medienkaufleute.Die niedrigste Bezahlung, die ein Auszubildender erhalten konnte.. die längste gesetzlich erlaubte Zeit, die er am Tag arbeiten durfte.. und die wenigsten Urlaubstage, die ihm zustanden..Weder die Arbeitszeit noch die Urlaubszeit wurde letztlich eingehalten.Es war ein Pakt mit dem Schicksal, den ich da abschloss, hatte ich ihn doch selbst noch ausgehandelt: Am Tag der Unterzeichnung wurde ich ins Büro des Verlagchefs gebeten.Inhalt waren die Arbeitsbedingungen, welche ich anriss.Der entscheidende Punkt bei dieser Unterredung kam von mir.Ich deutete auf das Fenster und sagte zum Verleger vor mir:" Da draußen gibt es tausend Andere, die diese Stelle haben wollen, die diesen Vertrag so unterschreiben würden, aber Keiner von ihnen hätte den Mut mit seinem Chef über das Gehalt zu verhandeln."Dies hatte gesessen.Am nächsten Tag wurde ich erneut ins Büro gebeten und bekam einen Vertrag mit einer kleinen veränderten mündlichen Klausel vorgelegt.Meine Vergütung sollte immer eine gewisse Höhe betragen, die im Vertrag so nicht erwähnt wurde. Allerdings war dies wie ein Darlehen, weil die Erhöhung durch eine Provision ausgeglichen werden sollte, die ich mir jeden Monat aufs Neue erarbeiten musste. Das bedeutete, dass der Großteil meiner erfolgreich abgeschlossenen Aufträge dafür drauf ging.Wir Auszubildenden, zwei an der Zahl, mussten, um ein gutes Gehalt zu verdienen, täglich Anzeigen verkaufen.Meine neu gewonnene Erfahrung in diesem Gebiet war bahnbrechend.In kürzester Zeit wusste ich wie der Hase läuft. Ich war der klassische Emotionenverkäufer, bei dem nicht das Produkt verkauft wird, sondern das Gefühl.In Wahrheit aber war ich kein guter Verkäufer, ich handhabte es lediglich so wie der amerikanische Kaufhausgründer Frank W.Woolworth, der meinte:"Ich bin der schlechteste Verkäufer der Welt - darum muss ich es dem Kunden einfach machen bei mir zu kaufen."Verkauf ist ein knallharter Job, wenn Du nicht verdammt gerissen bist.Außerdem zog ich zu dieser Zeit in meine Wunschstadt des Ruhrgebiets - Essen.Es existieren zwei Wege eine Stadt kennenzulernen - Fahrradkurier und Verkäufer.Ich schaute immer schon zur dieser Stadt auf, die für meine Begriffe am ehesten Gotham City ähnelte, und kannte nun durch meine Arbeit im Verlag den Großteil der vermögenden Bürger des Essener Südens.Eine Wohnung will aber auch unterhalten werden, also arbeitete ich hart.Von morgens 08:30 bis meistens 20:00 Uhr rackerte ich um die Miete zahlen zu können und um ein bisschen zu leben. Jeden Mittwoch Morgen fand ein Treffen der Führungsschicht Essens statt, dem ich beiwohnte. Dort saßen lauter Wichtigtuer, die Nichts besseres zu tun hatten, als eine ungerechte Gemeinschaft zu bilden, in der man sich gegenseitig Aufträge zuschiebt. Ich versprach mir davon gute Kontakte. Der Herausgeber des Magazins, das ich vertrat, setzte mich darauf an. Am Wochenende fanden regelmäßig Veranstaltungen statt, die ich ebenfalls zu besuchen hatte. Wichtigen Kunden die Hand schütteln war angesagt.Angebote von der Konkurrenz ließen nicht lange warten. Man wollte mich abwerben. Die meisten Unternehmen wussten nichts von meinem Status als Auszubildender. Meine Visitenkarte, vom Arbeitgeber gedruckt, hatte es auch nicht preisgegeben.Im Dezember 2010 war ich der erfolgreichste Verkäufer des Unternehmens.Aber die Schattenseiten überkommen einen früher oder später.Ich hatte einen Preis gezahlt.So besessen ich auch war der Beste zu sein, umso mehr brannte ich.Die Zeit, die mir als Freizeit blieb, nutzte ich um mich zu regenerieren.Die Probleme meiner Freundin und meiner Freunde nahm ich nicht mehr richtig wahr, konnte mich nicht mehr damit beschäftigen. Sorgen über die Miete, Weihnachtsgeschenke und Telefonrechnungen hielten mich davon fern, einen klaren Kopf zu bewahren. Von den Noten in der Berufsschule ganz zu schweigen...Ich machte mir anfangs nicht gerade Freunde...Erst spät erkannte ich, dass für die Schule mindestens genau so viel Aufmerksamkeit aufgebracht werden musste wie für die Arbeit im Verlag.Dabei wusste ich eines: Zeitlich war das nicht zu schaffen- gebunden an meiner Provision schon gar nicht.Als nächstes wetterte man innerhalb der eigenen Reihen gegen mich .Von der Geschäftsführung wohlwollend zur Kenntnis genommen, gab es eine Feindseligkeit zwischen einem anderen Auszubildenden und mir. So wurde häufig ich zu Veranstaltungen geschickt anstelle meines Widersachers, selbst wenn es sich um einen von seinen Kunden handelte. So entfachte man einen Wettkampf, der einseitig war, denn ich war dessen zu müde. Neid war schon immer ein schlechter Berater.Vor einer Veranstaltung im angesagtesten Nachtklub Essens fragte ich meinen Mitauszubildenden um welche Garderobe an diesem Abend gebeten wird. Nach seiner Aussage könne ich einigermaßen lässig mit Hemd und Jeans erscheinen. An diesem Abend lernte ich das Gefühl kennen "underdressed" zu sein.Meine Vorgesetzten bemängelten mein Auftreten augenblicklich, während mein Gegenstück im feinstem Anzug glänzte. Doch das war nur die Spitze des Eisberges, gab es doch immer noch eine Chefredakteurin, die mit dem Erfolg ihres Azubis nicht umgehen konnte. Ihrer Meinung nach hätte ich weniger cool sein, sondern mehr ausflippen sollen, wenn ich eine Anzeige verkaufte. Zum Ende meiner Zeit in diesem Betrieb verbrüderte ich mich mit meinem Kollegen. Wir hatten einen gemeinsamen Feind und erkannten, dass man versuchte uns gegenseitig auszuspielen.Das da oben war ein Netzwerk aus Lügen und Versprechungen.Als mein zweiter Urlaubsantrag, den ich so dringend benötigte, abgelehnt wurde, lehnte ich mich auf. Mit Verbrechern als Vorgesetzte, so dachte ich, müsste ihnen diese Art von Rebellion doch bekannt gewesen sein: Halsabschneider Nr. 1 war ein stadtbekannter Geschäftsmann, der durch Veruntreuung gerade eine jahrelange Haftstrafe abgesessen hatte. Kandidat Nr. 2 war ein noch nicht belangter Betrüger von Bauunternehmern, der sich mit ihrem Geld einst ein schönes Leben an der Französischen Riviera "leistete" und der seinen Hund Monty tagsüber im geschlossenen Fahrzeug in der Tiefgarage ließ.Ich wendete mich an die Industrie-und-Handelskammer. Alles deckte ich auf. Die unausgeglichenen "Über-"Überstunden,der Anzeigenverkauf, in dem Azubis wie Duracell-Hasen losgeschickt wurden,die Urlaube, die nie gegeben wurden mit dem Zauberwort "Betriebliche Notwendigkeit",die Freistellung von einem Berufsschultag,ungerechtfertigte Abmahnung wegen vertragsgerechtem Feierabend,Alles.Meinem Arbeitgeber hatte ich dadurch jedoch mehr geschadet als mir zu helfen.Auf den Straßen munkelte man, dass es dem Unternehmen schlecht ginge.Zwar noch angestellt, suchte ich eine neue Stelle, die mich übernehmen würde und wurde tatsächlich belohnt. Bei einer Präsentation lernte ich die Geschäftsführerin des größten Anzeigenblattverlages Europas kennen. Ihr gefiel meine forsche Art. Es imponierte ihr wie ich freche Fragen überlegt stellen konnte. Wir tauschten unsere Kontaktdaten aus und ich wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Der Rest ist Geschichte.Die anderen Auszubildenden, mittlerweile waren es vier, wechselten bis auf eine, auch ihren Ausbildungsbetrieb. Die letzte bekam ihren ersehnten Mutterschutz.Durch die Kundenakquise gewann ich Freunde, die es auch heute noch sind.Ohne die harte Schule, die ich in dem Betrieb als Medienberater erfuhr, wären mir weitere Türen verwehrt geblieben. Ohne Zweifel!Das, was ich dort erlebte, hatte wahrlich nichts mit einer Ausbildung zu tun, aber mit "Ausbildung fürs Leben". Ich kann es meinen alten Vorgesetzten im Grunde genommen auch gar nicht übel nehmen. Sie suchten auch nur einen Weg in diesem kapitalistischem System durchzukommen.Trotz all des Jammerns der Leute in der Krise, hatte ich nie das Gefühl, dass es Ihnen schlecht ging. Irgendwie kam doch Jeder von ihnen durch.Wo die Reise hingeht, vermag ich nicht zu sagen. Nur soviel:Deinesgleichen lässt sich nicht kaufen!Peace,Norman Mewes

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