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FreiheitWo eben noch Champagner floss, herrscht nun ein bitterer Nachgeschmack.Schuldig daran war allein eine Entscheidung. Diese Entscheidung würde nicht auf dem Sportplatz oder vor einem Getränkeautomaten getroffen werden. Auf diese Entscheidung hatte ich keinen Einfluss. Es war der Brief des Kreiswehrersatzamtes in Düsseldorf, der mich wie ein Hammer traf. Ich war auf dem Höhepunkt meiner jungen Männlichkeit als mich die Entscheidung erreichte.Neun Monate lang sollte ich meinen Staatsdienst antreten und das hieß, dass ich eine noch bittere Pille schlucken musste als das es die Verwehrung an der Musik schon tat. Das bedeutete der Verlust meiner Freiheit und dem daraus resultierenden Ende meines Lehramt Studiums an der Universität Duisburg/Essen.Ich meine: Das sind unsere Männer und Frauen an der Front, die für uns kämpfen, die ihr Blut lassen für unsere Freiheit. Dass sie selbst aber ihre Freiheit aufgaben, daran hatte ich nie gedacht.Die Sehnsucht nach einem Lehrberuf war stärker als der Wille des Staates und so tat ich, was getan werden musste: Drei Mal versuchte ich mich gegen meine Einberufung in die Wehrpflicht zu wehren.Ich fing an mit meiner Studentenbescheinigung, danach mit einem ärztlichen Attest über die Schraube in meinem rechten Fuß als Beweis ich könne nicht marschieren. Mein letzter Versuch war eine Unabkömmlichkeitsbescheinigung in der Firma meines Vaters, die aussagen sollte, ich sei unentbehrlich für den geschäftlichen Betrieb.Ich wünschte mir, ein Mal nur sollte dem Staat, der wegen seiner organisierten Bürokratie doch so berüchtigt war, ein Fehler unterlaufen. Ein Mal nur sollte man mich falsch einsortieren oder meine Akte verlieren. Der letzte Brief des Kreiswehrersatzamtes sah jedoch anderes vor: Neun Monate Grundwehrdienst.Meinen Freunden in der Uni sagte ich „Auf Wiedersehen“ und meinen Plänen zur Musik auch.Als eine besondere Eigenschaft von mir sehe ich die Bereitschaft in jedem Schlechten auch was Gutes zu sehen. Hierbei gelang es mir nicht.Und doch nannte ich mich „abenteuerlustig“ und schien mich mit der Entscheidung abgefunden zu haben. Wenn schon den Staatsdienst antreten, dann wenigstens bei der Bundeswehr, dachte ich mir.Dass ich danach nie wieder studieren würde, wusste ich da noch nicht.Die Zeit in der Kaserne von Bad Frankenhausen, Thüringen, war eine unheimliche Zeit.In meinen Gedanken ständig vertieft in Berufsaussichten und wie es werden würde, wenn ich wieder zurückkäme, war ich kein besonders guter Soldat. Ich war den Panzerjägern zugeteilt und mein Ausbilder mit dem urdeutschen Namen Schulz sah in mir seinen persönlichen Antichristen. Er nahm mich deshalb oft als Beispiel eines misslungen Rekruts und schikanierte mich vor versammelter Einheit.Unter den Kameraden gab es ein regelrechtes Stechen, wer mir als nächstes mit Schuhcreme aushelfen müsste. Am Ende warfen mir gleich drei Leute gleichzeitig die Schuhcremes vor die Füße, wenn ich mal wieder meine Stiefel putzen sollte.In Momenten des gemeinsamen Durchstehens entstehen oft die besten Freundschaften.Gefreiter Flocken war Einer von ihnen. Er wiederholte zum zweiten Mal seinen Wehrdienst, weil er beim ersten Mal wegen einer Verletzung nach Hause geschickt wurde. Dadurch war er ranghöher als Andere unserer Einheit. Er verstand mich sofort und hatte gleichzeitig noch nie gehört, dass ein Studierender eingezogen werden durfte. Dieser Teufelskerl aus Gladbach war mir gleich sympathisch.Dennoch, nach eisernere Durchhalteparole, gelangte ich zu der Erkenntnis, dass für diese Aufgabe nicht geboren bin. Auf der langen Zugfahrt nach Hause hatte ich Einen der ersten I-Pods und war überglücklich wieder Musik hören zu dürfen.Aber schnell wurde mir klar, dass ich nur eine Hölle gegen eine andere eingetauscht hatte.Veränderungen im Elternhaus, das Ende der Beziehung zu meiner Freundin, wirtschaftliche Umstände – diese Punkte überschatteten meine Rückkehr. Klar war nur, dass ich dringend Geld verdienen und bald ausziehen müsste.Das Privileg der Freiheit hatte ich zurück, nicht jedoch zum Studieren.Mein Wunsch eines Tages ein guter Lehrer zu werden war riesig. Ich stellte mir schon die Klassenzimmer vor mit meinem Namen an der Tafel und Schüler, die davor sitzen. Mein damaliger Schulleiter hatte mir bei unserem letzten Treffen gesagt, ich könne sofort bei ihm anfangen, wenn ich fertig sei.Durch den Eingriff in meine Karriere, zerplatzte aber dieser Traum.Dadurch baute sich Vaterstaat ein ganz besonderes Verhältnis zu mir auf.Wenn ich später Nachrichten sah mit deutschen Soldaten in Krisengebieten betete ich für sie, denn sie müssen in einen Krieg, der nicht ihr eigener ist. Irgendwelche Politiker im Reichstag hatten beschlossen, dass eine deutsche Beteiligung für das Ansehen der Nation von Wichtigkeit sei um die geschichtliche Vergangenheit wieder „gut“ zu machen.Man kann sich vorstellen was ich bei zu Guttenbergs Beschluss, die Wehrpflicht auszusetzen empfand. Die folgenden Generationen dürften wahrlich nachvollziehen können, wovon sie in ihrer Nationalhymne singen: Freiheit.Erst dann fühlen wir gleich, hören gleich und verstehen das Gleiche.Dann sind wir Deines Gleichen.Peace,Norman Mewes

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